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Die Eigentümer haben in Ihrem Bauantrag einen, der Umgebung angepassten Baustil beantragt und entworfen.

Erhaltungssatzung überall oder nur partiell?

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Wilder Mann Straße 44 in Dresden

Wir werfen heute einen Blick in einen anderen Stadtteil.
Es geht um eine Thematik, die wir in Dresden-Plauen und der Südvorstadt auch schon öfters auf dem Schirm hatten.

Es gibt tolle Gebäude und Denkmäler, die viele Bürger erhalten wollen, weil diese den Charme der Stadt ausmachen. Parallel dazu gibt es lieblose Klotzbauden und zum Teil skurrile Architektur oder auch einfach Investorenprojekte, die notwendig sind, weil Wohnraum fehlt und dieser dringend neu geschaffen werden muss.

Die Berichterstattung der letzten Wochen, auch in der lokalen Presse, über das Objekt WM 44 hat uns dazu bewogen, dass Projekt genauer zu betrachten und zu hinterfragen, was dort vor sich geht. Denn der Stadtrat hat hier eine Erhaltungssatzung in Eile beschlossen, die nun alle anderen Häuser betrifft. Dies könnte auch ein Thema in Dresden-Plauen werden, besonders weil an dieser Stelle eine kleine Gruppe eigenständig zu handeln scheint. 
Wir konnten im Gespräch mit den Eigentümern und einem ehemaligen Mieter über das Geschehen sprechen.

Um was für einen Gebäudetyp handelt es sich denn hier überhaupt?

Zunächst möchten wir anmerken, dass es sich hierbei, nicht um eine Villa, sondern vielmehr um ein völlig normales MFH handelt, welches im 1900 entstand und etwas verbastelt wurde.
Die Vonovia war einst Besitzer und hat es zudem enorm verkommen lassen.
Das Objekt WM 44 wurde im Rahmen einer Ausschreibung, unter der Maßgabe der Sanierung Mitte 2017 von den neuen Eigentümern erworben.
Es wurde eine Planung erstellt und diese mit einem entsprechenden Bauantrag zur Genehmigung am 11.01.2019 eingereicht.
Parallel wurden hierzu weiter Gutachten eingeholt, dass Denkmalschutzamt um eine
entsprechende Würdigung gebeten und die Kostenkalkulation präzisiert.

Für das Gebäude gibt es keinen Denkmalschutz?

Die neuen Eigentümer des Hauses versuchten unmittelbar das Denkmalschutzamt zu einer Widmung als Denkmal zu bewegen und stellten eine Anfrage, machten Gutachten.
Selbst die Landeshauptstadt Dresden bemühte sich mehrmals für das Gebäude eine Denkmalwidmung zu erhalten, aber es gab keine Rechtfertigung dieses Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.
Auch die Vonovia versuchte einst den Denkmalschutz für das Gebäude zu erhalten.

Das Denkmalschutzamt lehnte eine Unterschutzstellung ab, der Holzschutzgutachter – Herr Crasselt, stellte über den bereits bekannten Befund im Dachgeschoss, auch noch im Souterrain weiteren Schwammbefall fest.
Der Gutachter Dr. Bednarek attestierte dem Gebäude im Mai 2020, das dieses nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren sei und merkte auch an, dass durch die Anforderungen an Brand- und Wärmeschutz, erhebliche Probleme mit einer Fassadendämmung und der Wirkung des Bauwerks im Straßenbild einhergehen.
Dr. Bednarek hat bereits viele historische Objekte in Sachsen begutachtet und bei der Sanierung begleitet, doch bei diesem Objekt sieht er keine tragbare Lösung.

Die Vonovia hatte bereits eine komplette Gaube oberhalb des Eingangsbereichs zurückbauen lassen, damit sie nicht auf den Gehweg fällt.
Die Vielzahl der Punkte hat bei den Eigentümern, den Entschluss keimen lassen, einen Neubau zu planen.

Das Amt für Denkmalschutz hat sich nun bereits zum 5. Mal, letztmalig im Januar 2021 – Antrag der LH DD, geäußert, dass dieses Objekt nicht schützenswert ist und keinen Denkmalschutz erhält.

Die Eigentümer selbst, seit über 25 Jahren im Bausektor tätig, haben in Dresden und Umgebung, weit über 55 Mehrfamilienhäuser saniert. Wovon der größte Teil in der Denkmalschutzliste geführt wird. So wurden unter anderem Alttrachau 8, die Kieler Straße 56 / 58, Nordstraße 38, mehrere Objekte in der Bautzner Str. saniert.
Die Eigentümer engagierten sich auch bei der Umsetzung des letzten Hundertwasserprojekts – Hohe Haine – vom Künstler Friedensreich Hundertwasser,
welches leider an verschiedenen Hürden scheiterte.
Darüber hinaus sind sie auch in verschiedenen sozialen Projekten involviert und konnten mehreren sozialschwachen Mietern bezahlbaren Wohnraum ermöglichen.

Dieser Stil wurde als Neubauprojekt von den Eigentümern eingereicht.
Die Eigentümer haben in Ihrem Bauantrag einen, der Umgebung angepassten, historisch anmutenden Baustil beantragt und entworfen.


Geht es hier um ein reines Investorenprojekt?

In den sozialen Netzwerken setzten ein paar wenige Personen das Gerücht in die Welt, die Eigentümer wöllten das Gebäude einfach abreißen, um mehr Rendite zu erzielen.  Da in der Südvorstadt auch einige wirklich erhaltenswerte Häuser von einem sehr großen Bauträger abgerissen wurden, um lieblose Quader zu platzieren, kochten die Emotionen hoch. Dies geschah über die Facebookseite „verschwundenes Dresden“, die bereits mehrere Gebäude vorstellte. Das Ganze endete in einem Stadtrats Beschluss der von dem Grünen Abgeordneten Herrn Löser angestrebt wurde. Dieser Beschluss geiselt nun ein ganzes Areal im Stadtteil und verhindert jegliche Bauvorhaben.

Es fehlte bisher an Fakten, welche man nun nach dem Gespräch mit den Eigentümern einmal offenlegen sollte, um Klarheit zu schaffen.

„In dieser ganzen Angelegenheit ging es am Ende jedoch gar nicht um den Erhalt des Gebäudes, sondern vielmehr darum, dass einige Mieter, die zum Zeitpunkt gar nicht mehr im Gebäude lebten, eine hohe Entschädigung für den Auszug erhalten wollte“, so die Eigentümergemeinschaft.
Man bot den Mietern bereits einen fünfstelligen Betrag an, um den Umzug zu unterstützen.

Die drei Mietparteien forderten daraufhin, über einen befreundeten Anwalt Herrn RA. W. nun 16.000 € Entschädigung.
„Auf diese überzogene Forderung gingen wir als Eigentümer nicht ein, worauf nun der Grünen Stadtrat und Landtagsabgeordnete Herr Löser, von seinem persönlichen Freund Herrn Möckel hinzugezogen wurde. Herr Möckel ist ein damaliger Mieter, der zum Zeitpunkt bereits aus dem Objekt ausgezogen war und nichts unversucht lassen wollte, um eine Abfindung zu erhalten.
 In der Hoffnung auf politischer Ebene mehr Druck auf die Hausbesitzer auszuüben und damit die Abfindung noch einmal in die Höhe zu treiben, waren den Herren nun sogar politische Mittel recht.“, so die Eigentümer.

Die Projektgesellschaft WM44: „Die Geschichte um das Gebäude wurde von Herrn Löser nur inszeniert, die Mieter wollten eine Abfindung, denn es ging nicht um das Haus, oder die tolle Wohngemeinschaft, oder den tatsächlich nicht vorhandenen tollen Gemüsegarten, wie immer berichtet wurde. Nein, es ging einfach nur um Geld.
Die Mieter zogen, nachdem sie von uns das Geld erhalten hatten, auch gleich aus, da das Gebäude derart kaputt ist, dass es auch aus gesundheitlichen Gründen die vernünftigste Entscheidung war.“

Wurde ein politisches Amt missbraucht, um eigene Interessen durchzusetzen?

„Gemeinsam wurde dann die Petition gegen die Vermieter gestartet, das Ergebnis war ein schneller Stadtratsbeschluss, der nun ein ganzes Areal betrifft.

Die Entstehung dieser Geschichte ist den wenigsten bekannt, aber das jetzt ca. 200 Grundstückseigentümer, durch die initiierte politische Druckaktion von Herrn Löser mit betroffen sind, ist nicht zu verstehen.
Alle Carports, PV-Anlagen, Garagen, Terrassen, Zäune oder Anbauten müssen nun durch ein teures und langwieriges Bauantragsverfahren laufen.

Im Bauamt ist die Sachlage den Bearbeitern bekannt, dies äußert man natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, dass die LH DD den anstehenden Prozess mit Sicherheit verlieren wird. Aber durch den enormen politischen Druck, ausgelöst von Herrn Löser, kann man aktuell dieser Fehlentscheidungen nicht abhelfen.
Das nennt man ganz klar Verhinderungspolitik.“, so die Eigentümergemeinschaft.

Man fragt sich natürlich als Außenstehender, warum diese Initiativen nicht einst bei anderen Gebäuden ergriffen wurden, sondern bei einem Objekt ohne Denkmalschutz, wo es lediglich um Abfindungszahlungen ging und einst die persönlichen und politischen Freunde des Grünen Stadtrats lebten?

Nachtrag 16.04.2021 |
Im Telefonat mit dem ehemaligen Mieter Herrn Möckel, konnte zur Historie einiges hinterfragt und aufgeklärt werden.
Herr Möckel: “Es gab bereits bei anderen Objekten in der Dresdner Neustadt, explizit das Gebäude Bautzner 106 die Unternehmung dieses zu retten, das Ergebnis war ebenfalls eine Erhaltungssatzung, die einen Abriss verhinderte. In diesem Jahr zogen jedoch die letzten Mieter aus dem Gebäude aus.” 
Zur Historie an der Wilden Mann Straße, teilte Herr Möckel mit: “Es war ein ewiges hin und her, es gab viele Eigentümerwechsel sowie Maßnahmen der Eigentümer, die es kompliziert machten. Es wurde unter anderem ein Zaun auf dem Grundstück errichtet, um eine Grünfläche abzusperren, was in Coronazeiten wirklich nicht fair war. Die Thematik zur Abfindung stimmt, aber als Mieter darf darüber nicht gesprochen werden, da hohe Vertragsstrafen drohen. Über andere Maßnahmen sollte man an nicht schreiben.” 
Herr Möckel: “Ich war überrascht welche Dynamik das Ganze genommen hat, nach dem wir die Petition gestartet haben.”
Es wurde im Gespräch noch einmal deutlich, dass auch am Wilden-Mann die Veränderung von Bestandsobjekten die Gemüter aufheizt. Petitionen starteten, andere verteilten Nachbarschaftsbriefe, deren Absender zwei Wohngemeinschaften aus dem Stadtgebiet sein sollen. Herr Möckel sendete uns das Schreiben zu, welches wir in Absprache mit dem ehemaligen Mieter nicht abbilden, um Ruhe reinzubringen.
Jetzt steht das Gebäude leer. Alle sind ausgezogen, wie es weiter geht wird wohl der Stadtrat am Donnerstag, den 22.04.21 entscheiden. 

In unserem Stadtteil, der Südvorstadt und auch der Neustadt, gab es viele bauliche Veränderungen, betroffen waren hier die Kaitzer Straße, Schweizer Straße, Liebig Straße, Altenzeller Straße und viele mehr, wo große Bauträger “unser schönes Dresden” enorm schnell verschandelt haben. Hier gab es keinerlei politische Bemühungen und im Gegensatz zum Vorhaben am Wilden-Mann, wurden auch keine Denkmalschutz relevanten Punkte berücksichtig. Dabei setzte man sich sehr oft über den Denkmalschutz hinweg. Die Seite “verschwundenes Dresden” berichtete auch darüber. 
Aktuell ist Dresden-Friedrichstadt stark betroffen und wird intensiv bebaut.
Am Ende steht immer der Konflikt, altes Bekanntes aufgeben und Neues erschaffen oder das Alte bewahren.
Im Zuge des Wilden Manns hörten wir den Ansatz heraus, dass bei der aktuellen baulichen Verfassung des Objekts, mehr Wohnfläche für Familien zu schaffen und damit eine günstigere Miete realisieren zu können. Besonders auch im Bereich der Betriebskosten und Nachhaltigkeit in den Baustoffen.
Zum Anderen versteht auch jeder die emotionale Komponente, die hier mit schwebt, die Plauener und Südvorstädtler kennen das Thema zur Genüge, am Ende gab es hier keine Erhaltungssatzung, die im Eilverfahren auf den Weg gebracht wurde.
Die Behörden für Denkmalschutz und Stadtentwicklung sind in dem Fall die Mediatoren und müssen entscheiden, was hier möglich ist.

Eine Lösung zum Gebäude musste zeitnah gefunden werden.

Die Eigentümer suchten sich einen anerkannten Dresdner Architekten – Herrn Borchert und analysierten gemeinsam das Umfeld der Wilder Mann Straße, um den Neubau die gewünschte Seele zu geben.
Es wurde nun mehr ein Neubau mit 10 modern geschnittenen Wohnungen, Aufzug und Tiefgarage entwickelt. Das Projekt wurde auch unter den Gesichtspunkten der Ökölogie sehr hoch angesiedelt, denn für den gesamten Rohbau werden Thermospan-Stein (Holzspanbeton und innenliegende Steinwolle ) angedacht.

Hier stellen wir einmal die Ansichten vor, wie das neue Gebäude aussehen wird.
Leider wurden diese Bilder in den sozialen Netzwerken und der lokalen Presse nicht veröffentlicht. Obwohl diese stets vorlagen, man wollte bewusst nicht offenlegen wie man sich um das Haus bemüht hat und welche Möglichkeiten es Seitens der Eigentümer gibt.

Das neue Haus für die Wilder-Mann-Strasse 44 in Dresden
So soll das Gebäude aussehen, welches die Wilder Mann Straße 44 schmücken soll. Eine willkommene Abwechslung zu den bisherigen Quadern im Stadtbild.

 
Fazit Redaktion 

In Dresden-Plauen und der Südvorstadt, hätten wir uns in den letzten Jahren mehr Initiative seitens der Politik gewünscht, um echte Denkmäler zu erhalten. Schade ist dabei, dass die Politik bei den ganz großen Gesellschaften und Fonds wegschaut und vieles absegnet.
So ist es geplant, die großen Wohnungsgenossenschaften aus dem Stadtratsbeschluss auszuschließen und ihnen Sonderregelungen einzuräumen, damit diese frei bauen dürfen.

Bei einem einzelnen Gebäude jedoch, einen ganzen Stadtteil für alle privaten Besitzer zu geiseln und dabei die persönlichen Informationen eines Stadtrats zum Anlass zu nehmen, um neue Verordnungen zu erlassen, ist nicht im Sinne der Bürger.