Podiumsdiskussion

erstellt am: 26.09.2011

Geburtenboom und Schulsanierung

Wie geht es weiter mit dem Haus 2 des Gymnasiums Dresden-Plauen?

Hat die 126. Grundschule eine Zukunft? Und wann werden die Mängel an der 49. Grundschule behoben? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am 19. September 2011 in der Aula des Gymnasiums.

Zu den Diskutanten auf dem Podium zählten neben Bürgermeister Winfried Lehmann, die Stadträte Ingo Flemming (CDU) und Albrecht Pallas (SPD) sowie der Sprecher des Elternrates des Gymnasiums Dresden-Plauen, Frank-Martin Weiler. Es moderierte Stefan Rössel von der Sächsischen Zeitung.  Die gut gefüllte Aula des Gymnasiums und die rege Diskussionsbeteiligung durch die Anwesenden zeugten vom hohen Interesse am Thema.

Entwicklung der Schulen im Dresdner Süden

In einem einleitenden Beitrag stellte Bürgermeister Winfried Lehmann die wichtigsten Eckpunkte aus den Konzeptionen der Dresdner Stadtverwaltung zur weiteren Entwicklung der Schulen im Dresdner Süden dar. Die steigenden Geburtenzahlen in Dresden seien keine Spitzen, die kurzfristig ausgeglichen werden müssen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dieser Trend in den nächsten 15 Jahren beständig bleibt. Deshalb müssten nach seiner Auffassung Kinder und Eltern in Zukunft mit Klassenstärken von 25 und teilweise von 28 Schülern eher die Norm denn als Ausnahme leben.

Als weiteres Problem wertete Lehmann die unterschiedliche Auslastung zwischen den einzelnen Schulen und Schulbezirken. Um diese Differenzen auszugleichen, wies Lehmann auf die Idee einer Zusammenlegung von Schulbezirken hin, die zumindest in Erwägung gezogen wird. Davon wären auch die Schulbezirke Plauen 1 und Plauen 2 betroffen. So könnten seiner Auffassung nach Schüler, die an der 14. Grundschule wegen Kapazitätsmangel abgewiesen wurden, problemlos die 117. Grundschule in unmittelbarer Nähe besuchen.

Eine klare Absage erteilte Lehmann den Hoffnungen die 126. Grundschule an der Cämmerswalder Str. in naher Zukunft wieder zu eröffnen. Vielmehr möchte die Stadt diese Immobilie als Reserve und Auslagerungsstandort etablieren, der immer dann genutzt werden würde, wenn in anderen Schulen bauliche Maßnahmen erfolgen.

Um den steigenden Bedarf an gymnasialen Plätzen zu decken, will die Stadtverwaltung laut Lehmann das Fritz-Löffler-Gymnasium auf der Bernhardstraße wiedereröffnen. Dazu soll das Gebäude der 46. Mittelschule direkt daneben mitgenutzt werden.

Stadtrat Albrecht Pallas (SPD) hielt die Etablierung eines derartig großen Grundschulbezirkes, wie ihn Bürgermeister Lehmann mit dem Konzept einer Zusammenlegung von Plauen 1 und Plauen 2 andeutete, zumindest für „gewagt“. Im Extremfall könnte ein Grundschüler, der in Gittersee nicht aufgenommen wird, auf eine Schule in der Südvorstadt gehen müssen. Ein so weiter Weg sei einem Grundschüler nicht zuzumuten. Als Alternative käme seiner Meinung nach vielmehr eine Trennung des Schulbezirkes in „Berg“ und „Tal“ infrage.

Mit Bezug auf die derzeitige maximale Auslastung im Gymnasium Dresden-Plauen erschien es Stadtrat Ingo Flemming (CDU) für sinnvoll, mit dem Löffler-Gymnasium ein zusätzliches Angebot zu schaffen. Für Stadtrat Pallas sei es dagegen sinnvoller, Kapazitäten im Dresdner Westen, zum Beispiel durch die Eröffnung eines Gymnasiums Dresden-Gorbitz zu schaffen. Hierbei nahm er auf den Umstand Bezug, dass eine Vielzahl der Anmeldungen am Plauener Gymnasium durch Schüler aus dem Dresdner Westen erfolgt, da das Gymnasium in Cotta an die Grenzen seiner Kapazität gelangt.

Die Absage seitens Bürgermeister Lehmann hinsichtlich einer Wiedereröffnung der 126. Grundschule rief bei anwesenden Eltern Widerspruch und Unverständnis hervor. Insbesondere da im Einzugsbereich der ehemaligen Schule 100 neue KITA-Plätze geplant sind und sich die Ortsbeiräte parteiübergreifend für die Wiedereröffnung ausgesprochen hatten. Darüber hinaus könnte die 49.  Grundschule entlastet werden, die bereits jetzt an ihre Grenzen stößt und deren baulicher Zustand verbesserungswürdig ist.  Hinzu kommen die langen Schulwege für Schüler aus dem Gebiet rund um die Kohlenstraße.

Albrecht Pallas äußerte zwar Verständnis für die finanzielle Situation in der Stadtkasse, pflichtete aber dennoch dem Sprecher der Elternvertretung des Gymnasiums Dresden-Plauen, Frank-Martin Weiler, bei, dass es diesbezüglich einer veränderten Schwerpunktsetzung innerhalb der Stadtverwaltung und des politischen Willens bedarf, Bildung als Investition in die Zukunft zu begreifen, die sich auch betriebswirtschaftlich betrachtet, letztlich für die Stadt auszahlt. Immerhin, so Pallas, hat die Stadt Dresden es seit 2008 nur in einem Jahr wirklich geschafft, die für die Sanierung von Schulen ursprünglich vorgesehenen 65 Millionen Euro zu gewährleisten. Und auch dieses konnte nur mit Fördermitteln aus dem Konjunkturpaket II finanziert werden. So lässt sich laut Pallas der Sanierungsstau an den Dresdner Schulen nicht abbauen. Dieser Umstand ist insbesondere deswegen brisant, weil jetzt noch die alten DDR-Schulen saniert werden müssten, da zu erwarten ist, dass in den folgenden Jahren Sanierungsmaßnahmen und Reparaturen an den nach der Wende sanierten Schulen auftreten werden.

Was die Notwendigkeit eines  politischen Willen zum Umdenken betrifft, konnte Stadtrat Flemming ihm nur beipflichten. Doch für Lehmann „beißt die Maus keinen Faden ab“, die Gewährleistungen von Kapazitäten hat oberste Priorität. Jede andere Aussage ist seines Erachtens „Augenwischerei“. Zumal sich das Land höchstens mit 3 Mio Euro pro Jahr an Schulsanierungen beteilige. Aus diesem Grund äußerte er Unverständnis über diverse Aussagen sächsischer Regierungs-Politiker, „von denen er gar nichts hält“.

Maßnahmen an der 39. Grundschule und Gymnasium Dresden-Plauen/ Haus 2

Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierte der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Herr Schmidtgen, die verschiedenen Konzeptionen zur Sanierung des Haus 2 am Plauener Gymnasium. Während die Kosten für die Minimalvarianten 1 & 2, welche  eigentlich nur zur Bewahrung des Status Quo dienen, sich im untersten einstelligen Millionenbereich bewegen, wären für die Varianten 3-6 zwischen 14 und 18 Millionen Euro fällig. Hoch erfreut zeigten sich die Elternvertreter, dass auch ihr Konzept (6+6a) Eingang in die Präsentation fand und durch die Stadtverwaltung zumindest geprüft wird.

Allgemein wurde von allen Beteiligten der konstruktive Dialog gelobt. Und sowohl Flemming als auch Pallas betonten, dass auch in Zukunft die Betroffenen mit eingebunden werden sollen. Welche Variante letztlich umgesetzt werden wird, konnte zwar beide zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Dennoch wies Bürgermeister Lehmann noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass es nach umfangreicher Prüfung und Abwägung allen Für und Widers die beste und nicht unbedingt die billigste Variante sein sollte. Stadtrat Flemming versprach außerdem, sich dafür einzusetzen, dass die entsprechenden Gelder im Doppelhaushalt 2013/2014 eingestellt werden.

Insgesamt betrachtet, handelte es sich um eine gelungene Veranstaltung bei der sich die Plauener Bürger über die verschiedenen Ansichten zur Zukunft der Schulen im Dresdner Süden im Allgemeinen und über die Konzeptionen zur Sanierung bzw. zum Umbau der Gebäude im Gymnasium Dresden-Plauen im Speziellen informieren konnten. Eine Fortsetzung ist wünschenswert.

MM

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