Klettersport in der Bienertmühle

erstellt am: 12.01.2012

Die Bienertmühle soll zu einem Domizil für den Klettersport werden. Gibt die Stadt grünes Licht, könnte das schnell gehen.

Eingeworfene Fenster, Löcher im Putz, Bäume, die aus dem Dachstuhl wachsen. Die Bienertmühle an der Weißeritz sieht trist aus. Schon lange stehen die ehemaligen Werkhallen leer. Die braune sechsstöckige Wand sieht unansehnlich aus. Viele Ideen hat es für die Nutzung gegeben. Doch bisher herrscht nur im Vorderhaus Leben. Die Stiftung Hofmühle betreibt ein kleines Museum samt Café.

Nun kommt in die Pläne für ein anderes Stück der Mühle Bewegung. Die Sektion Dresden aus dem Deutschen Alpenverein (DAV) will einen Großteil der Brache zu ihrem Kletterzentrum ausbauen. Dafür hat der Verein das ehemalige Mühlenmagazin und die angrenzenden ehemaligen Bereiche für die Verarbeitung von Weizen gekauft. Zu seinem Grundstück gehört auch der große Schornstein.

Der Entwurf für das Zentrum ist fertig. Auch wie das Projekt finanziert werden soll, ist geklärt. Nun fehlt die Zustimmung der Stadt. Die prüft gerade die technische Umsetzung für das Vorhaben. „Erst dann können wir Fördermittel beantragen“, sagt Claus Lippmann, Chef der Sektion Dresden im DAV. Er ist optimistisch, dass es bald so weit sein könnte. „Baustart für das Zentrum könnte noch in diesem Jahr sein“, sagt er.

Dann sollen die Decken der fünf Etagen im Inneren der Mühle abgetragen werden. Parallel dazu werden an der Seite Ränge gebaut. Von dort können die Zuschauer auf die Kletterer sehen. Eine Treppe führt bis unter die Decke. Rings um die 20 mal 30 Meter große Freifläche werden Kletterwände aufgestellt. 16 Meter hoch sollen die sein. „Mit Überhängen entsteht eine Routenlänge von bis zu 18 Metern“, sagt Claus Lippmann. In einem Nachbarraum sollen weitere 400 Quadratmeter für den Trendsport Boulder entstehen. Mit bis zu 26 Monaten Bauzeit rechnet der DAV Dresden-Chef.

Drei Millionen für den Neubau

Die Kosten für das Vorhaben sind beträchtlich. Drei Millionen Euro hat der Verein kalkuliert. Die Stadt habe einen Zuschuss von 700.000 Euro zugesagt, sagt Claus Lippmann. Die Sektion Dresden muss zehn Prozent der Summe beisteuern. Mit den Kosten für die Planung und das Grundstück ist er schon in Vorkasse gegangen. Der Rest fließt über Kredite und den DAV Deutschland. Der fordert zudem, dass die drei beteiligten Sektionen einen Kooperationsvertrag schließen. Neben den Dresdner DAV-Mitgliedern sind auch der Sächsische Bergsteigerbund und die Akademische Sektion des DAV an dem Vorhaben beteiligt.

Mit dem Baustart würde eine lange Debatte um das neue Kletterzentrum enden. Schon lange suchen die DAV-Kletterer nach einem neuen Domizil. Ursprünglich hatte der DAV geplant, gegenüber der Bienertmühle das Zentrum zu bauen. Der Verein hatte dafür das Grundstück mit dem alten Silo gekauft und diesen abgerissen. Die Genehmigung für den Neubau blieb den Sportlern allerdings verwehrt. Ein mehrstöckiges Gebäude hätte nicht in die Umgebung gepasst.

Nun ist die Fläche zwischen Bahnschienen und Hofmühlenstraße leer. Bis zum Herbst hatte der DAV diese an die Landestalsperrenverwaltung für die Bauarbeiten an der Weißeritz vermietet. Über die weitere Nutzung spricht Claus Lippmann noch nicht.

2.600 Mitglieder hat die Sektion Dresden. Zwölf Prozent davon sind Kinder und Jugendliche. „Die Nachfrage am Klettersport ist groß“, sagt Claus Lippmann. Derzeit finden die Angebote im Sportzentrum XXL auf der Breitscheidstraße sowie in einer Anlage in der Dresdner Neustadt statt.

So soll das neue Kletterzentrum aussehen:

Bergmassiv

Ein Bergmassiv zum Klettern, nur in Klein und künstlich – das soll die neue Kletterhalle in einem Teil der Bienert- mühle bieten. Die Sektion Dresden des Deutschen Alpenvereins will das Zentrum bauen. Dafür wird die historische Hülle der Mühle entkernt.
Entwurf: Jarmer/Pfau Architekten

Hofansicht des Kletterzentrums

Hofansicht des Kletterzentrums.
Entwurf: Jarmer/Pfau Architekten

Außenansicht der geplanten Halle

Außenansicht der geplanten Halle.
Entwurf: Jarmer/Pfau Architekten

Ein Artikel von Annechristin Kleppisch (Sächsische Zeitung). >> zum Artikel bei sz-online <<

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