Kaffeeklatsch mit Kettenschaltung

erstellt am: 28.02.2012

Zwischen den Geruch von altem Fahrradöl dringt der wohlige Duft noch warmer Schokomuffins. Neben Schraubenziehern, Zangen, und Fahrradspeichen stehen Streuselschnecken, Mohnkuchen und eine Apfeltorte.

„Wie heißt das?“, fragt Torsten Hanke in die Runde und zeigt dabei auf einen Teil der Schaltung an dem Fahrrad vor ihm. „Nase?“, fragt eine der sieben Frauen, die heute in den Bike-Point-Laden in Plauen gekommen sind. „Nicht ganz“, sagt Hanke. „Auge.“ Ein Kichern erfasst die Runde. Nach zwei Stunden zwischen Kettenschaltungen und Cantilever-Bremsen ist jetzt erst einmal Zeit für die Kuchenpause.

Schon seit 2004 veranstalten Hanke und seine Kollegen vomBike-Point jeweils zweimal im Jahr einen Workshop speziell für Frauen. „Eine Freundin von mir wollte wissen, wie sie ihr Fahrrad auch mal selbst reparieren kann, nachdem ich das immer für sie gemacht hatte. Als Gegenleistung bot sie einen selbst gebackenen Kuchen an“, erzählt der 34-jährige Dresdner. Aus der unscheinbaren Idee von damals ist inzwischen eine erfolgreiche Reihe geworden, die meist Tage im Voraus ausgebucht ist.

Die Gruppe ist auf acht Teilnehmer begrenzt, damit alle etwas lernen können. Und: Es dürfen nur Frauen mitmachen. Dafür muss auch jede Lernwillige einen selbst gebackenen Kuchen mitbringen. Torsten Hanke ist sich der Klischees seines Workshops bewusst: „Aber Frauen und Männer wollen einfach zu unterschiedliche Sachen über Fahrräder lernen“, erklärt er. „Für männliche Teilnehmer müssten wir Kurse zu speziellen Themen wie Scheibenbremsen anbieten.“ Frauen würden dagegen erst einmal von Grund auf wissen wollen, wie ein Fahrrad funktioniert.

So wie die 46-jährige Kerstin Zimmermann, die mit ihrer 20-jährigen Schwiegertochter in spe gekommen ist. Bisher hat der Sohn immer die Fahrräder von Mutter und Freundin repariert, nun wollen die beiden Frauen das selbst in die Hand nehmen. Oder die 30-jährige Solveig Kriese, die ein Renn- und ein Mountainbike zu Hause stehen hat und endlich ihre Schaltung selbst einstellen will.

Sein Kurs solle aber keine strukturierte Lehrveranstaltung sein, sagt Torsten Hanke. Stattdessen stehe der Spaß im Vordergrund, den der Fahrradexperte mit der modischen Hornbrille und dem feinziselierten Dreitagebart beim Kaffeeklatsch sichtlich erlebt. „Zum ersten Kurs kam auch mal ein Mann“, erzählt Hanke. „Den haben wir aber nur zugelassen, weil er sich als Frau verkleidet hatte – original mit Kittelschürze und Perücke.“

Nächster Workshop: 3. März, 14 bis 18 Uhr. Anmeldung unter info@bikepoint.de
Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2992542

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